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Gisela Breitling

Gisela Breitling – Der weibliche Blick vor dem Diskurs. Retrospektive in der Galerie Creative Game, Berlin.


Die Galerie Creative Game widmet der Künstlerin Gisela Breitling eine Retrospektive. Eine Künstlerin, die ihrer Zeit voraus war. Breitlings Werk formuliert bereits seit den 1960er Jahren eine Perspektive, die heute unter dem Begriff „Female Gaze“ verhandelt wird: den Blick der Frau als Handelnde und Reflektierende.


Doch während dieser Begriff erst Jahrzehnte später zum kunsttheoretischen und gesellschaftlichen Diskurs wurde, entwickelte ihn Breitling in der Malerei konsequent und radikal eigenständig. Ihre Bilder zeigen Frauen nicht als Projektionsfläche, sondern als Bewusstseinsräume. Sie entziehen sich klassischen Rollenbildern ebenso wie kunsthistorischen Zuschreibungen und eröffnen eine neue, intime Bildsprache zwischen Renaissance-Anklängen und existenzieller Gegenwart.


Diese Ausstellung ist eine Neubewertung. Denn trotz internationaler Ausstellungen und ihr Einzug in hochrangige Sammlungen und Museen hat sich Gisela Breitling bewusst den Mechanismen des Kunstmarkts entzogen. Statt einer strategischen Karriere verfolgte sie eine künstlerische Haltung, die auf Autonomie und inhaltlicher Konsequenz beruhte.

Diese Entscheidung führte dazu, dass ihr Werk heute zwar in bedeutenden Sammlungen vertreten ist, aber nicht in dem Maße im Kanon verankert wurde, das seiner Relevanz entspricht.


Gerade hierin liegt die Dringlichkeit dieser Retrospektive: Gisela Breitling steht exemplarisch für eine Generation von Künstlerinnen, deren Bedeutung erst im Nachhinein sichtbar wird – nicht trotz, sondern wegen ihrer Unabhängigkeit vom Markt.


Die Ausstellung stellt daher zwei zentrale Fragen: Wie verändert sich unser Blick auf Kunstgeschichte, wenn wir ihn aus der Perspektive jener lesen, die lange nicht gesehen wurden? Und welche künstlerischen Positionen gilt es heute neu zu entdecken, weil sie sich bewusst der Logik von Sichtbarkeit und Verwertbarkeit entzogen haben?

In einer Zeit, in der Fragen nach Autorinnenschaft, Blickregimen und Repräsentation aktueller sind denn je, erscheint Breitlings Werk nicht als historisches Dokument, sondern als überraschend gegenwärtige Position. Gisela Breitling neu zu sehen, heißt, die Gegenwart anders zu verstehen.


Gisela Breitling – Retrospektive

Galerie Creative Game, Berlin

31. Juli – 9. August 2026

Öffnungszeiten:

Vernissage: 31. Juli, 19 Uhr

1. August, 13 – 17 Uhr

2. August 13. – 17 Uhr

6. August 13 – 17 Uhr

8. August, 13 – 17 Uhr

9. August, 13 – 17 Uhr

Finissage: 7. August, 19 Uhr


Laudatio anlässlich der Eröffnung der Ausstellung

DER WEIBLICHE BLICK. Retrospektive der Künstlerin Gisela Breitling in der Galerie Creative Game in Berlin. Von Dr. Monika Kaiser, freiberufliche Kunsthistorikerin und Kuratorin. www.monika-kaiser.de


Die 2018 verstorbene Berliner Malerin und Autorin Gisela Breitling wäre in diesem Jahr 87 Jahre alt geworden. Anlässlich ihres 80 Geburtstages, gab es ein Jahr nach ihrem Tod, also 2019 zuletzt 3 Ausstellungen in Berlin, die sie als Künstlerin und bedeutende Figur der Berliner Kunstszene würdigten.  Ausschnitte Ihres Lebenswerkes wurden im März 2019 in den damals noch existierenden Räumen des „Verborgenen Museums“ in der Schlüterstraße in Berlin-Charlottenburg gezeigt. Daran schloss sich eine von der Familie Bonjer initiierte Ausstellung in der ehemaligen Taufkirche Breitlings, in der Petruskirche in Lichterfelde Ost (Mai-August) an. Abgerundet wurde dieses Jubiläumsjahr durch die Präsentation einiger Ihrer Werke in der Insel-Galerie im ehemaligen Ostteil Berlins, überwiegend aus den Beständen des Fördervereins Europäische Frauenakademie der Künste und Wissenschaften Berlin-Brandenburg (EFAK e.V.), der 1995 von Gisela Breitling mitgegründet worden war.


Sieben Jahre nach diesen drei Ausstellungen ist es dem Werksverwalter Matthias Bonjer ein Anliegen, dem Werk seiner Tante in der retrospektiven Betrachtung des Berliner Kunstgeschehens eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen. Denn obwohl Gisela Breitling in nationale als auch internationale Sammlungen Eingang gefunden hat -  sie ist mit einem Werk im National Museum of Women in the Arts in Washington D.C. vertreten und auch mit mehreren Werken in der Berlinischen Galerie - ist sie in der öffentlichen Kunstlandschaft nicht sichtbar. Bereits etwa 30 Jahre nach dem Höhepunkt ihrer Karriere, den ich in den 1980er bis in die 2000er Jahren verorten würde, ist ihr Werk und ihr Wirken nur noch Wenigen bekannt. Dabei spielte sie in dieser Zeit eine bedeutende Rolle – sowohl als Künstlerin als auch als Kunsttheoretikerin. Um dies zu verstehen, muss man sich ihre Künstlerische Entwicklung im Kontext ihrer Zeit anschauen, denn der Kunstmarkt allein, der viele Künstler und Künstlerinnen nicht ihrer Bedeutung entsprechend nach Oben gebracht hat, kann für diese Nicht-Präsenz Breitlings nicht allein verantwortlich gemacht werden.


Dass sie sich dem Kunstmarkt bewusst entzogen hätte, scheint mir nicht der Fall zu sein, denn m.W. sind über die Galeristin Karoline Müller und deren Ladengalerie, die auch ihre Künstlerkollegen Johannes Grützke, Manfred Bluth und Matthias Koeppel vertreten hat, allesamt Vertreter der „Schule der neuen Prächtigkeit“, der auch Breitling zeitweilig angehörte, herausragende Werke Breitlings von der Berlinischen Galerie angekauft worden. Auch ihre gegen Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre gestaltete Ausmalung des Kirchturmes der Matthäuskirche in Berlin mit großformatigen Ölbildern christlicher Thematik - sie hatte sich dazu an einem Wettbewerb beteiligt und ihn gewonnen -  zeigt, welche Reputation Gisela Breitling in dieser Phase ihres Schaffens genossen hat. Die Galeristin Karoline Müller hat es mir gegenüber im Jahr 2016 einmal so formuliert: die Selbstporträts von Gisela Breitling seien die ungewöhnlichsten Selbstporträts einer Künstlerin, die sie jemals kannte. Ich meinerseits habe bei meiner Beschäftigung mit Breitlings Spätwerk ihre herausragenden Arbeiten zum Thema weibliche Körperlichkeit für mich entdeckt. Ihre ungewöhnlichen überwiegend in Pastellmalerei gestalteten Darstellungen von Frauen jenseits der 50 zeigen, wie reflektiert sie sich dem Sujet der „alternden Frau“ näherte. Sie hat diesen – ich möchte lieber von „reifen“ Frauen und ihren Körpern sprechen - aus der einfühlsamen Perspektive der Künstlerin, eine besondere Würde verliehen und hob sich damit eindrucksvoll von der sonst üblichen überwiegend abwertenden Betrachtungsweise reiferer Frauenkörper ab.

Wir haben es im Werk Breitlings also mit einem „Weiblichen Blick“ zu tun, wie der Titel der Ausstellung es benennt, oder auch mit dem „Female Gaze“ wie es in der Einladung zur Ausstellung vielleicht zeitgemäßer formuliert worden ist, jedenfalls mit dem Blick von Gisela Breitling - als Frau und Künstlerin und zwar als Handelnde und Reflektierende.


Die wundervollen Pastelle Breitlings, die überwiegend um die Jahrtausendwende herum entstanden sind, befinden sich weitestgehend in Privatbesitz, wie auch andere bedeutende Werke u.a. die bereits erwähnten zahlenmäßig vielen Selbstporträts, von denen in dieser Ausstellung einige wenige zu sehen sind.


So zeigt die hiesige Retrospektive eine Porträtserie unter dem Titel „Drei historische Frauen“ aus dem Jahr 2009. Diese Porträts aus dem Spätwerk greifen ein Lebensthema Breitlings auf, ihr Engagement für die Rechte von Frauen und insbesondere Künstlerinnen, die sich nicht nur in diesen Porträts niederschlägt, sondern auch in Initiativen und Netzwerken, in denen Breitling aktiv war und aufgrund ihrer intellektuellen Schärfe und Kenntnisse der Künstlerinnengeschichte, sehr geschätzt wurde. Sie war nicht nur Mitinitiatorin der Ausstellung „Das Verborgene Museum“ im Jahr 1986 sondern auch Mitbegründerin und Mitglied des gleichnamigen Vereins, der bis 2022 existierte und sich der „verborgenen“ Geschichte von Künstlerinnen im 20 Jahrhundert widmete und in die Berlinischen Galerie eingegangen ist, somit eine institutionalisierte Fortführung gefunden hat.

Gisela Breitling stellt sich selbst in ihrer Porträtreihe neben zwei bedeutenden Frauenrechtlerinnen, nämlich die Französische Revolutionärin und Schriftstellerin Olympe de Gouge und die Britische Suffragette Emily Wilding Davison. Sich selbst tituliert sie in dieser Serie als „Gisela Breitling Feministin des 20. Jahrhunderts“.


Es ist bezeichnend, dass sie sich in den späten Jahren ihres Lebens, im Jahr 2009 in dem sie 70 Jahre alt war, im Rückblick auf ihr Lebenswerk, einreiht in die Pionierinnen für Frauenrechte, die lange Zeit nicht bekannt waren.


Bevor die „Me too-Debatte“ 2017 eine erneute feministische Welle auslöste, gab es nach 1990 eine Phase von 25 Jahren, in der der Feminismus in der breiten Öffentlichkeit zurück gedrängt wurde und am Ende kaum mehr eine Rolle spielte. In dieser Zeit etablierte sich die Gendertheorie universitär, wodurch die Fragestellungen und innovative Ansätze, die Breitling in den 1970er und 1980er Jahren mitbegründet hatte, in dieser Zwischenzeit in Vergessenheit gerieten und die Genderdebatte zum elitären Diskurs wurde.


Ich glaube daher, dass ihr Lebenswerk aufgrund dieses sogenannten feministischen „Backlash“, der nach 1990 einsetzte, bis heute nicht seiner Bedeutung entsprechend weitertransportiert wurde und dies zu einem Bruch in der Rezeption ihrer Arbeit führte. Aktuell gibt es die Chance, das Breitlings Werk von einer jüngeren Generation, der ihr Wirken und ihre künstlerische Arbeit nicht bekannt ist, wiederentdeckt wird, denn sie war ihrer Zeit voraus.


Dies zeigt sich in ihren frühen Arbeiten der 1960er Jahre und 1970er Jahren, denn bereits 1973 widmete sie ein Gemälde Olympe de Gouge, die während der Revolution für die Gleichberechtigung von Frauen kämpfte und in den Wirren der französischen Revolution auf dem Schafott hingerichtet wurde. Sie beschreibt dieses erste Werk des Jahres 1973, das sie Olympe de Gouge gewidmet hat 1978 in einem Brief an The Woman’s Press; Zitat: S. 63 (aus der ersten zusammenfassenden Publikation zu Gisela Breitling aus dem Jahr 1979, hrsg. von Kommunale Galerie, Dr. Monika Kaiser)

Im Jahr 2009, also etwa 40 Jahre nach diesem Kommentar Breitlings zum Thema Olympe de Gouge zeigt sie eine mit weit aufgerissenen Augen blickende Frau, die gefasst in eine ferne Zukunft blickt, Ihr Kopf umhüllt von einem schwarz-weißen Turban, umrandet von einem roten Tuch, das seine Entsprechung in dem roten Ring um ihren Hals findet. Sie ist bereits gestorben, die cleane, nackte Darstellung ihres Oberkörpers deutet es an, jedoch triumphiert ihr weitblickendes schönes Gesicht über das grausame Ende ihres bewegten Lebens. Der Hintergrund in dunklem Anthrazit deutet ebenfalls darauf hin, dass wir es hier mit dem Porträt einer ich möchte sagen „wissenden Toten“ zu tun haben, die in die Zukunft schaut. Die Künstlerin setzt ihr den abgetrennten Kopf einfach wieder auf und ergänzt den Torso der Olympe, den sie 1973 noch gemalt hatte, um seinen entscheidenden Teil, ihren Kopf, den man ihr mit der Todesstrafe glaubte nehmen zu können. Breitling schließt an dieses Porträt ein Porträt der Suffragette Emilie Wilding Davison an, die für das Frauenwahlrecht in Großbritannien gekämpft hat, wegen ihrer militanten Aktionen mehrfach im Gefängnis saß und die sich in einer öffentlichkeitswirksamen Aktion 1913 während des Epsom Derby vor das Pferd des Königs warf und dabei verstarb. Breitling zeigt Davison mit modernem Hut vor einer Gefängnismauer, wie aus der Zeit gefallen, denn solche Hüte trugen Frauen damals eher nicht, jedenfalls zeigen Fotos Davison mit den zeittypischen ausladenden Hüten der Damenmode um 1900. Jedoch in ihrer entschlossenen Haltung wirkt die Suffragette zeitlos und schlägt damit die Verbindung zur Gegenwart. Als Letzte malt Breitling sich selbst, ungeschönt, als ältere Frau, die ihren „Attraktivitätsbonus“ eingebüßt hat und am Ende ihres Lebens als Künstlerin und Feministin Bilanz zieht. Sie stellt sich selbst als Feministin des 20. Jahrhunderts dar und zugleich als desillusionierte Frau einer ganzen Bewegung, die vorläufig an ihr Ende gekommen zu sein scheint. Dies geschah im Jahr 2009, als der Feminismus kein wirklich öffentliches Thema mehr war.


Dabei berührt uns der schonungslos ehrliche Blick ihrer Bilanz. Sie hat sich über die weite Strecke ihres künstlerischen Lebens für eine konsequente, aus dem weiblichen Erfahrungshorizont gespeiste Perspektive auf die Kunst und auch auf die Darstellung von Frauen in der Kunst eingesetzt. Dies war ein anstrengender, weil nicht vorgeprägter Prozess und ein intellektuell wagemutiges Vorgehen. Ihre frühen Arbeiten, die noch in der Tradition des phantastischen Realismus stehen, einer Berliner Ausprägung und ein Wiederaufgreifen surrealistischer Malerei, sind bestimmt von der Auseinandersetzung mit mythologischen Figuren, die Weiblichkeit transportieren und die von ihr umgedeutet werden. Sie hält den aus patriarchalischer Tradition geprägten mythologischen Frauenfiguren wie Kassandra, Daphne, Diana, Leda, Eva, quasi den Spiegel vor und interpretiert sie aus weiblicher Perspektive um. Sie vollzieht damit eine Brechung von tradierten Darstellungsweisen, und erschafft damit einzigartige und eigenwillige Frauenfiguren und Torsi - besonders eindringlich gelingt ihr dies mit ihrem Radierungszyklus der „Tugenden und Laster“ des Jahres 1966. Die Deformation weiblicher Kultur und ihre Nichtexistenz in der Kulturgeschichte, werden in den Phantasmen ihrer Mythologischen Frauen, die befremdlich wirken, sichtbar, auch thematisiert sie häufig das Fragmentarische weiblicher Körper, in der Figur des Torsos, was symbolisch für die fehlende Ganzheit weiblicher Tradition in der Geschichte gelesen werden kann. Sie unterläuft und bricht damit konsequente die vorherrschende Perspektive und entwirft neue Bilder.


Ein weiteres hier ausgestelltes Werk „Alice hinter den Spiegeln“ aus dem Jahr 1974 veranschaulicht dieses künstlerische Agieren Breitlings. Sie bezieht sich mit diesem Bild auf die Kindergeschichte von Alice, in der dem Mädchen ein Zugang zu einer Phantasiewelt hinter den Spiegeln eröffnet wird. Alice schaut aber nicht wirklich in den Spiegel, sondern integriert eine Reflexion über ihr eigenes Spiegelbild in das Gemälde: sie stellt das Profil einer Frau dar, die aus dem Spiegel zurückschaut und keinesfalls das Spiegelbild des Mädchens sein kann. Das Ganze eingetaucht in melancholisches Blau, das diese Reflexion mit Traurigkeit verbindet und das Mädchen zugleich in einem isolierten Raum vereinzelt und damit allein auf sich gestellt zeigt.

Gisela Beitling hat in ihrem Werk autonome und dabei provozierend unkonventionelle Darstellungen von Frauen und Frauenkörpern geschaffen. Sie hat sich zudem intensiv mit historischen Frauenfiguren, seien es nun Künstlerinnen oder auch Frauenrechtlerinnen befasst und war auch dabei eine Pionierin, denn ihre wegweisende Schrift: „Die Spuren des Schiffs in den Wellen“ erschien 1980 in Berlin und formulierte ihre autobiografische Spurensuche nach historischen Künstlerinnen in der Geschichte. Die Künstlerin Breitling bereitete damit, bevor Kunstwissenschafterinnen sich des Themas annahmen, einer feministischen Frauenforschung den Boden. Wie intensiv sie sich auch danach mit dem Thema Körperlichkeit von Frauen und deren Bildtradition befasste, spiegeln ihr weiteren kunsttheoretischen Texte, die unter anderem in der Schriftensammlung „Der Verborgene Eros: zur Kunst von Frauen“  des Jahres 1983 oder auch ihr Beitrag über Pornographie und Kunstzensur im Sammelband „Frauen  und Männer und Pornographie“, 1990 erschienen ist.

Die 1970er Jahre waren in West-Berlin eine aufregende, von gesellschaftlichen Protesten und Umbrüchen geprägte Zeit, in der die noch junge Gisela Breitling ihre persönlichen künstlerischen Ausdrucksformen in Auseinandersetzung mit den sie umgebenden Kunstentwicklungen und Trends in West-Berlin finden musste. Gegenständliche Malerei war damals verpönt und die Abstraktion wurde favorisiert. Breitling wollte aber, wie andere auch, gegenständlich malen. Sie schulte sich im Selbststudium an ihren großen Vorbildern, den Klassikern der Renaissancemalerei, an Goya, Tizian und van Eyck. Sie kam außerdem in Kontakt mit den Berliner Malern der Gruppe „Schule der neuen Prächtigkeit“, Johannes Grützke, Manfred Bluth, Matthias Koeppel und Karlheinz Ziegler, die ähnliche Ziele verfolgten wie sie und mit denen sie sich befreundete.


Johannes Grützke zieht in seinem Beitrag für den Ausstellungskatalog der Ladengalerie zu Gisela Breitling aus dem Jahr 1989 eine Parallele zwischen Artemesia Gentileschi, der großen, damals gerade erst wieder entdeckten Renaissancemalerin und seiner geschätzten Kollegin und Freundin Gisela Breitling.


Und in der Tat, wenn wir uns hier in der Galerie Creative Game umsehen, dann treffen wir auf zahlreiche Bilder, insbesondere Stillleben, die von Gisela Breitling in akribischer und gekonnter Manier und mit Respekt und Verehrung vor dem Können der Renaissancemalerei geschaffen worden sind. Darin begegnen wir der Malerin Gisela Breitling, der die Malerei als Handwerk eine ständige Herausforderung war und die das Können der Renaissancemaler und -malerinnen studierte, um es ihnen mit ihren Bildern gleich zu tun  - sie selbst betrieb eine Forschungsarbeit zur italienischen Malerin Elisabetta Sirani, die damals noch völlig unbekannt war. Breitling bewunderte die Form- und Farbenwelt der Renaissance und des Barock und verband diese künstlerische Sprache mit neuen Sujets, die sie in ihrer Gegenwart fand, aufgriff und mit einer damals fernen Bildsprache ins Bild setzte. Den Höhepunkt dieser Entwicklung stellt ihre Arbeit für den Matthäuskirchturm dar, in der sie eine fast blasphemische Interpretation des letzten Abendmahles in einem großen Tafelbild inszenierte.

Diese Ausstellung möchte die Wiederentdeckung einer Künstlerin befördern, die Gefahr läuft zu Unrecht in Vergessenheit zu geraten. Sie stellt zugleich die Frage danach, wie sich unser Blick auf die Kunstgeschichte verändert, wenn er aus der Perspektive von jenen gelesen wird, die lange nicht gesehen wurden. Die Wiederentdeckung von Werken zahlreicher Künstlerinnen in der jüngsten Zeit korrigiert den schon allzu lange herrschenden Blick und fügt ihm die Facetten weiblicher Perspektiven hinzu.


Gisela Breitling gehört unbedingt in diesen Zusammenhang hinein und ihre Trilogie revolutionärer Frauen aus dem Jahr 2009 kann daher auch als Vision der Künstlerin bewertet werden, die damals noch nicht ahnen konnte, dass eine neue feministische Welle Interesse an ihrer Arbeit haben und ihr Werk weitertragen könnte. Sie reiht sich selbst ein, in eine Reihe von Frauen, die ihr Leben bewusst in den Dienst der Gleichberechtigung von Frauen in der Gesellschaft stellten und erst nach ihrem Tod mit der Anerkennung dafür rechnen konnten.


Diese Bilder stehen am Ende von Breitlings bildkünstlerischem Lebenswerk, kurze Zeit später war es ihr, aufgrund ihrer fortschreitenden Erkrankung, nicht mehr möglich zu malen.



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