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Norbert Kluge

Norbert Kluges Objekte und Assemblagen entfalten ihren magisch-ästhetischen Magnetismus durchaus auch ohne die launigen Titel. Seine Objekte und teilweise sehr ernsten Konfigurationen, haben ihre eigene Vita, ihre Verletzungen, ihr Alter, ihren Reiz der Patina, oder stellen die Würde des Rostes aus.


Diese Gegenstände sind vom Künstler aus alten, sich uns Heutigen manchmal nicht erschließenden Gebrauchszwecken in ein neues, zweites Leben hinübergeholt worden. Gerettet vor der Schrottpresse oder dem Müll. An die Stelle der praktischen Funktion tritt die ästhetische. Aus dem schnöde Gebrauchswert entsteht ein geistig-ästhetischer Mehrwert. Dabei sind respektvolle Zärtlichkeit und Liebe zu den alten Gegenständen im Spiel.


Norbert Kluge hat an den Fundstücken genauso Freude wie an den Wörtern, die ihm in den Kopf kommen, wenn er sie betrachtet. Es wird vom Gegenstand inspiriert. Der Künstler hat einen seiner verquer-originellen Gedanken, der sich im Kopf als ungewöhnliche Konstellation von Worten darstellt. „Im Anfang war nicht das Wort“, sondern „im Anfang war der Gegenstand“, oder wenn man will: „im Anfang war die Tat“: das Collagieren, Assemblieren, Kombinieren der Fundstücke zu Kunstwerken.


Und aus dem Vorgang des Zusammenfügens, der ein handwerklicher und ein geistiger Prozess ist, der die Reibung, die Widersprüche zwischen den Teilelementen artikuliert, ja inszeniert, aus diesem Vorgang mag wohl der Funke Inspiration entstehen, der dem eingehenden, augenöffnenden, meistens übersinnig-skurrilen Werktitel kreiert. „Wie Waldi“, „Eiserne Hochzeit“, „Modell Na, Omi“ um nur ein paar Titel zu nennen.


Ein gutes Kunstwerk, dito ein Fundwerk, lässt einen ganzen Fächer an Deutungsalternativen zu. Vielleicht sind des Meisters Titeleinfälle ja die Einfallstore in seine ganz eigene Welt aus quergebürsteten Worten und Artefakten, aus Vergangenheit und gegenwärtiger Realität.


Aus altem Holz, einem Lot und einem Hufeisen wird schon mal ein veritabler Bischof. Kluge ist mit seinen nachdenklichen Erfindungen durchaus ein Mann von dieser Welt. Er findet, interpretiert, widmet um aus der Position eines Heutigen. Und genau das macht seine Objekte für die Rezipient:innen so attraktiv.


Auszüge aus der Rede von Hans Mendau, Dozent HdK Berlin.

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