Senta Minzlaff
Die Berliner Neoexpressionistin der 1960er Jahre. Die Farblust der Senta Minzlaff.
Eine Ausstellung über ein wiederentdecktes Werk - und darüber, warum die Kunstgeschichte ihre Künstlerinnen neu sehen muss.
Die Galerie Creative Game präsentiert vom 23. Oktober - 8. November 2026 die Ausstellung: Die Berliner Neoexpressionistin der 1960er Jahre. Die Farblust der Senta Minzlaff. Sie rückt das eigenwillige, farbintensive Werk der Berliner Malerin Senta Minzlaff (1909-1999) in den Mittelpunkt - und verbindet diese Wiederentdeckung mit einer Frage von großer Aktualität: Welche Künstlerinnen fehlen bis heute in unserem Bild der Moderne?
Minzlaffs Bilder sprengen die Grenze zwischen beobachteter Wirklichkeit und entfesselter Fantasie. Leuchtende Komplementärfarben, expressive Figuren, Tiere, Gärten, Reisebilder und traumartige Wesen verdichten sich zu einer Bildwelt von großer sinnlicher Präsenz. Ihr Hauptwerk entstand zwischen 1958 und 1975; seit den frühen 1960er Jahren entwickelte sie eine freie, vom Gegenstand gelöste Farbigkeit, die Tendenzen des späteren Neoexpressionismus und der Neuen Wilden vorwegnimmt.
Eine Künstlerin wird wieder sichtbar
Dass Senta Minzlaff heute neu entdeckt werden muss, verdankt sie einem außergewöhnlichen Fund. Der Berliner Kunstsammler Dr. Wolfgang Etterich stieß bei einem Nachlassverwerter zufällig auf einen wesentlichen Teil ihres Werks. In anschließender Forschungsarbeit wurden die Nachkommen ermittelt, Arbeiten fotografiert und katalogisiert, undatierte und unbetitelte Blätter stilistisch eingeordnet und biografische Spuren zusammengeführt. Aus einem beinahe verlorenen Konvolut trat ein geschlossenes, überraschend gegenwärtiges Oeuvre hervor.
Diese Wiederentdeckung ist mehr als die Geschichte eines glücklichen Zufalls. Sie macht sichtbar, wie leicht das Werk von Künstlerinnen aus Sammlungen, Archiven und öffentlichem Gedächtnis verschwinden kann - selbst dann, wenn sie zu Lebzeiten ausstellten, in Künstlerinnenverbänden aktiv waren und eine unverwechselbare Sprache entwickelten. Die Ausstellung versteht Entdecken deshalb als kunsthistorische Verantwortung: Werke auffinden, sichern, erforschen, zeigen und neu in die Erzählung der Kunst einordnen.
Zwischen Beruf, Fürsorge und künstlerischem Aufbruch
Senta Minzlaffs Biografie steht exemplarisch für Lebenswege, die im traditionellen Künstlerbild lange kaum vorgesehen waren. Sie studierte Zahnheilkunde, führte nach 1945 zeitweise die gemeinsame Praxis zusammen mit ihrem Mann, zog zwei Töchter groß und pflegte ihre Eltern. Erst in der zweiten Hälfte ihres Lebens konnte sie ihre künstlerische Arbeit konsequent professionalisieren. Ab 1958 besuchte sie an der Berliner Hochschule der Künste die Klasse für Hochbegabte aus kunstfernen Berufen bei Bernhard Wilhelm Borchert.
Was häufig als "später Beginn" gelesen wird, erscheint hier als beharrlicher künstlerischer Weg unter mehrfacher Belastung. Bereits seit den 1930er Jahren zeichnete Minzlaff und setzte ab 1958 mit einem fulminanten Hauptwerk ein. Reisen nach Ägypten, Mexiko, Brasilien und Madeira, Studien im Berliner Zoo, im Botanischen Garten, im Museum und im Atelier erweiterten ihr Motivspektrum. Aus genauer Beobachtung wurde eine radikal subjektive Kunst der Farbe.
Künstlerinnen entdecken heißt, den Kanon zu verändern
Minzlaff war von 1965 bis zu ihrem Tod Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen und später auch in der GEDOK Berlin. Sie beteiligte sich über Jahrzehnte an Ausstellungen; 1966 zeigte das Kunstkabinett am Berliner Schillertheater eine Einzelausstellung mit 87 Arbeiten. 1992 war sie in der Jubiläumsausstellung "Profession ohne Tradition. 125 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen" im Martin-Gropius-Bau vertreten. Und dennoch geriet ihr Werk nach ihrem Tod weitgehend aus dem Blick.
Die Ausstellung lädt dazu ein, künstlerische Qualität nicht nur dort zu suchen, wo ein berühmter Name steht. Senta Minzlaffs Farbenlust, ihr unerschrockener Blick auf Menschen und ihre Lust am Fantastischen eröffnen eine neue Perspektive auf die Kunst im freien und wilden West-Berlin: persönlich, kosmopolitisch, eigenwillig - und weiblich.
Ihre Wiederentdeckung ist kein Nachtrag zur Kunstgeschichte, sondern eine Erweiterung des Horizonts.
„Senta Minzlaffs Werk zeigt, dass Entdeckung in der Kunst nicht nur bedeutet, Neues zu finden. Es bedeutet auch, das Übersehene endlich mit derselben Aufmerksamkeit zu betrachten wie das längst Kanonisierte" Dr. Wolfgang Etterich
Zur Künstlerin
Senta Edith Emma Margarete Minzlaff, geborene Runkel, wurde 1909 in Berlin-Tegel geboren und starb 1999 in Berlin. Als Malerin und Zeichnerin schuf sie von den 1930er Jahren bis Anfang der 1990er Jahre ein umfangreiches Werk. Ihre Themen reichen von Porträts und Figurenszenen über Tiere, Pflanzen, Ateliers und Reiseeindrücke bis zu abstrakten Kompositionen und fantastischen Bildwelten. Werke befinden sich unter anderem in der Berlinischen Galerie sowie in privaten Sammlungen.
Ausstellung und Pressekontakt
Titel: Die Berliner Neoexpressionistin der 1960er Jahre. Die Farblust der Senta Minzlaff
Laufzeit: 23. Oktober - 8. November 2026
Vernissage: 23. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Galerie Creative Game, Jägerstraße 12A, 12209 Berlin Lichterfelde
Öffnungszeiten: täglich von 14 - 18 Uhr, außer montags und nach Vereinbarung
Eintritt: frei
Kuratorische Leitung: Dr. Wolfgang Etterich und Alexander Rosenbusch
Pressekontakt: Galerie Creative Game, Albert Heiser, 030-715 01 01

